BIOGRAPHIE
english Version Geboren 19.10.1972
1979-1983 Grund- und Hauptschule Ludwigshafen
1984-1989 Realschule Stockach
1993-1996 Ausbildung zum Industriekaufmann Reinbold GmbH Emmendingen
Im Jahre 1982 zur Erstkommunion war es endlich soweit. Nach jahrelangem Betteln durfte ich mir vom Geld, das ich von der Verwandtschaft zur Kommunion bekommen habe, bei Zweirad Wehrle in Nussdorf mein erstes Motorrad kaufen: Eine Suzuki RM 80 für 2.300,- DM.
Von Joachim Wehrle hab ich damals eine Motocross-Zeitung geschenkt bekommen mit einer Checkliste drin: „Wie werde ich Moto-Cross-Fahrer“. Ich weiß noch wie heute, dass ich Joachim geantwortet habe, dass ich sowieso Moto-Cross Fahrer werde. Dass dieser Entschluss damals so ernst gemeint war hat wohl außer mir selbst niemand geglaubt.
Mein Vater Peter fuhr zu dieser Zeit zum Spaß selber Moto-Cross und im September nahmen wir in Bisingen gemeinsam an meinem ersten Rennen teil. Er war der älteste, ich war der jüngste Teilnehmer. Am Samstag hatte ich gleich einen Sturz, bei dem es mir „die Luft ein wenig abgestellt hat“. Als mich die Sanitäter in den Krankenwagen schieben wollten, bin ich aufgesprungen und abgehauen. Ich wollte ja unbedingt am Sonntag wieder fahren. Und so wurde ich im B-Finale am Sonntag gleich mal Dritter.
Bei diesem Rennen haben wir auch die Familie Seiler aus Owingen kennen gelernt, die ähnlich verrückt angehaucht waren wie die Beirers und nur 15 km entfernt von uns eine eigene Motocross-Strecke besaßen. Von da an hat sich zwischen Marco Seiler und mir eine tolle Freundschaft entwickelt und wir haben die nächsten Jahre jede freie Minute neben der Schulzeit auf dieser Moto-Cross-Strecke in Unterbach verbracht.
Im Jahr ‘83 bin ich noch ein paar weitere Rennen gefahren und hab meine erste Saison in der Deutschen Jugendmeisterschaft auf Platz 11 abgeschlossen.
In den Osterferien 1993 hat Ecki Seiler für die Jugendfahrer aus dem KS einen Fahrerlehrgang mit Ludwig Reinbold organisiert. Dies sollte der Beginn einer intensiven und langen Freundschaft mit Ludwig werden, die bis heute anhält.
1984 Deutscher Jugendmeister auf Kawasaki KX80
1985 Deutscher Vizemeister
1986 Bei der Finalrunde der Deutschen Meisterschaft in Mernes bin ich dann sehr schwer gestürzt: Lungenriss, Oberarmbruch und 14 Tage Intensivstation in Gelnhausen.
1987 Gewinner der 80er Klasse bei der OMK und der 125er Meisterschaft beim damaligen KS.
1988 OMK Pokalsieger 125ccm. In dieser Saison habe ich alle Rennen gewonnen, bei denen ich gestartet bin.
Im Dezember ‘88 war ich mit meinem Vater und unserem Freund Fredi Bühler in München beim Hallencross, wo wir die verantwortlichen Leute von Honda treffen wollten, um die Saison ‘89 zu besprechen. Als diese uns erneut versetzt hatten, riefen wir aus einer Telefonzelle (wir bedenken, das Handy ist noch weit weg für Normalbürger) Hermann Kurz an und baten um einen Termin. Am nächsten Morgen saßen wir in der Krone in Rosenberg und haben über meine Zukunft verhandelt. Hermann Kurz hat während unseres Gespräches den gesamten Vertrag in Handschrift verfasst und am Ende unseres Gespräches haben wir dieses Dokument unterzeichnet. 6 Motorräder leihweise und DM 15.000,- Ersatzteilbudget. Ich war der glücklichste Mensch auf diesem Planeten. Das Auto von Fredi hatte zum Glück eine Anhängekupplung, somit konnten wir mit geliehenem Hänger unsere erste Suzuki gleich mit nach Hause nehmen. Ich fuhr noch am selben Abend auf der Hauptstraße in Ludwigshafen einen Wheelie an unserem Stammlokal Krone vorbei, damit auch das ganze Dorf wusste, dass wir eine erfolgreiche Reise gehabt haben.
Ab diesem Zeitpunkt war abzusehen, dass ich einer der schnellsten Moto-Cross-Fahrer in Deutschland werden kann. Aber die finanziellen Sorgen, die wir zu Hause hatten, hätten mich fast zum Aufhören gezwungen. Doch dann gründete sich mit Freunden rund um meinen Vater der Pit-Beirer-Fanclub. Hier waren ein paar tatkräftige Jungs am Werk, die an mich geglaubt haben und nicht einsehen wollten, dass ich wegen der Finanzsorgen meinen geliebten Sport an den Nagel hängen sollte. Durch Dorffeste, Spendenaufrufe und Geld aus der eigenen Tasche haben mir die Jungs das Geld besorgt, um 1989 meine erste WM-Saison in Angriff zu nehmen. Das Material war gesichert durch Herr Kurz und Suzuki. Der internationalen Karriere stand also nichts mehr im Weg.
April 1989 Faenza Italien. Ich qualifizierte mich als 12. in meiner Gruppe für den WM-Lauf am Sonntag, was damals schon eine kleine Sensation war. Als ich dann im ersten Lauf 11. wurde und sogar die ersten WM- Punkte einfuhr, waren wir alle ein wenig überrascht. Ein junger Fahrer namens Stefan Everts fuhr übrigens am selben Tag auch seinen ersten WM-Lauf.
Die Freude hielt aber nur drei Tage, denn beim Training in Hügelheim ist mir bei einem Doppelsprung, den man mit der 125er im sechsten Gang Vollgas nehmen musste, das obere Auge des Stoßdämpfers ausgebrochen und ich hab mich böse überschlagen: Gehirnerschütterung und Schlüsselbein gebrochen. Ich hab auf dem Weg ins Krankenhaus mindestens hundertmal meine Betreuer gefragt, ob es denn wirklich stimmt, dass ich den ersten WM-Lauf schon gefahren war und wirklich die 5 WM-Punkte schon hatte.
Didi Lacher kam zu Besuch mit einem frischen T-Shirt und den nötigsten Utensilien für einen Krankenhausaufenthalt. Doch ich nutzte seinen Besuch, um das Krankenhaus durch die Hintertür zu verlassen. Ich kam zurück in meine Werkstatt und bin gleich mal Probe gesessen auf meiner Suzuki. Ich dachte mir, das Schlüsselbein fühlt sich eigentlich ziemlich stabil an. Ludwig Reinbold und die anderen Leute um uns glaubten, ich mache ein Witz, als ich denen sagte: „Ich will übrigens am Wochenende den DM-Lauf fahre!“. Mit dieser Idee fuhr ich rüber nach Freiburg zu meinem Leibarzt Dr. Wolfram Winterer und hab versucht ihn zu überreden, mir zu helfen. Der meinte dann: „Na ja, es wird halt weh tun!“. Mit ein paar Rollen Tape im Gepäck fuhren wir nach Schnaitheim zum DM-Lauf und ich wurde dort 4. und 6.. Danach war vier Wochen kein DM- Lauf und mein Schlüsselbein konnte in aller Ruhe ausheilen. Ich beendete meine erste Profi-Saison als 4. in der Deutschen Meisterschaft und als 36. in der Weltmeisterschaft.
1990 Deutscher Vize-Meister hinter Bob Moore, 13. in der Weltmeisterschaft, Weltmeister wurde in diesem Jahr Donny Schmitt. Beim letzten WM-Lauf 1990 in Wohlen/ CH wurde ich Dritter, was gleichzeitig auch meinen endgültigen Durchbruch auf der internationalen MX-Bühne bedeutete.
1991 Deutscher Meister und Inter-DM, sowie ein 8. Platz in der Weltmeisterschaft. Drei Fahrer waren am Ende der Saison punktgleich auf dem 8. Rang, Donny Schmitt, Pit Beirer, Greg Albertyn. Weltmeister wurde Stefan Everts. In dieser Saison habe ich mir in Frankreich den Arm gebrochen und einige Wochen später in Reil meinen ersten WM-Lauf gewonnen. Wie immer im Sport, Hoch und Tief liegen sehr eng beisammen.
1992 Deutscher Meister in der 125er Klasse, Inter-DM und Platz 7 in der Weltmeisterschaft.
1993 sollte dann ein schicksalhaftes Jahr werden. Ich hab den ersten WM-Lauf im Schlamm verpatzt und nur wenig Punkte geholt. Beim 2. WM-Lauf stürzte ich am Start und hab mir eine tiefe Fleischwunde am Arm zugezogen. Nach diesem 2. WM-Lauf war ich 14. in der WM. Danach fuhr ich ein paar unglaubliche Rennen. Ich beendete fast alle Läufe auf dem Podium und hab in der WM ständig Boden gut gemacht. Bis Mitte der Saison war ich der stärkste Fahrer im Feld. Ich gewann die WM-Läufe in Polen und in der Tschechei. Als WM-Dritter reiste ich zum Deutschen WM-Lauf nach Gerstetten. Die beiden ersten Läufe beendete ich als 2. und hatte vor dem dritten Lauf die WM-Führung übernommen. Im dritten Lauf (damals wurden drei Läufe gefahren) kam ich in der ersten Runde etwas ins Rutschen, stellte mein Bein auf den Boden und Mikael Pichon nahm mein Knie mit seinem Vorderrad als Zielscheibe. Das Kreuzband war gerissen und meine Saison war beendet.
Die Verletzung hat mich ganz schön zurückgeworfen und in der Saison 1994 war ich nicht mehr in der Form von ‘93. Ich bin eine ordentliche Saison gefahren, hab ein paar Podiumspositionen rausgefahren und am Ende war es dann der 5. Platz in der Weltmeisterschaft.
1995 kam der Umstieg in die 250er Klasse auf Pamo Honda. Meine erste 250er Saison konnte ich ebenfalls als 5. abschließen, wobei ich den letzen WM-Lauf in Frankreich noch gewinnen konnte. An diesem Tag feierte Stefan Everts seinen ersten 250er WM-Titel.
1996 war eines meiner schlechtesten WM-Jahre. Nach 2-3 WM-Läufen lief auf einmal nix mehr und ich kämpfte plötzlich um 10. Plätze. Als es dann im Sommer endlich wieder besser wurde und die ersten Top 5 Resultate kamen, brach ich mir beim Training in Rixheim das Kahnbein. Damals war dies eine Verletzung, die einen für sechs Monate ruhig stellte. Wieder einmal saß ich beim Arzt meines Vertrauens Wolfram in der Praxis, als wir von Dieter Porsch (ADAC Sportleiter) die Telefonnummer von Dr. Werber aus München bekamen. Dr. Werber war damals der einzige, der Sportler am Kahnbein operierte, um direkt danach wieder Sport zu betreiben. Die anderen Handchirurgen rieten uns allen ab. Die Aussicht, drei Wochen später wieder Rennen zu fahren, war aber Ansporn genug für mich. Natürlich fuhr ich nach München und tatsächlich fuhr ich drei Wochen später den WM-Lauf in Kester. Ich fuhr besser als vor der Verletzung und hatte nie mehr Beschwerden an der Hand. Die Schraube ist übrigens auch heute noch drin. Ist wohl recht gutes Material. Die Saison hab ich schließlich als 7. abgeschlossen.
1997 lief es dann endlich wieder besser. Ich war hinter Stefan Everts und Marniq Bervoets die dritte Kraft im Bunde. Ich konnte den GP von Gaildorf vor Stefan gewinnen und beim Moto-Cross der Nationen in Belgien hab ich zwei astreine Laufsiege hingelegt. Unterm Strich war ich ‘97 dann Schweizer Meister, Dritter in der Weltmeisterschaft 250ccm und Gewinner der Einzelwertung beim Moto-Cross der Nationen.
1998 erneut Dritter in der Weltmeisterschaft. Everts und Tortelli dominierten die Saison. Es gab nur drei GP Sieger in dieser Saison. Everts, Tortelli und Beirer. Beim Finale in Griechenland hätte Stefan im Falle eines Sieges von Tortelli nur zwei 2. Plätze gebraucht, um Weltmeister zu werden. Honda bat mich um Schützenhilfe für Stefan. Vier Jahre lang wurde mir von Honda das gleiche Material wie das von Stefan versprochen. Als ich dann ‘98 wieder die alten Rahmen von Stefan bekam und er schon wieder eine bessere Version hatte war ich ziemlich sauer und hatte die Schnauze voll. Ich sagte dem Japanischen Rennleiter vor dem Rennen, dass sie nicht mit meiner Hilfe rechnen konnten. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon einen Werksvertrag mit dem Kawasaki Werksteam von Jan de Groot in der Tasche.
Tortelli hat zweimal gewonnen, ich wurde 2. und Stefan wurde Dritter. Somit hat Tortelli ganz knapp den WM- Titel gewonnen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein paar WM-Läufe gewonnen, war einige Male Deutscher Meister, aber mein ganz großes Ziel, Weltmeister zu werden war noch nicht erreicht.
Ich hab einen radikalen Schnitt zu meinem Vorleben gemacht. Ich trennte mich von meinem langjährigen Team von Betreuern und Mechanikern und hab mich alleine auf die Reise nach Belgien gemacht. Ich wollte einen Neuanfang und ich wollte vor allem eines: Weltmeister werden. Ende Oktober war ich zu Besuch bei Jan de Groot, um mein neues Umfeld kennen zu lernen. Da hatte ich noch die Telefonnummer von Willy Linden in der Tasche, die er mir bei letzten WM-Lauf in Roggenburg gegeben hatte. Er war der Trainer der Familie Everts und war bei den vier Titeln von Harry und den vier Titeln von Stefan der Konditionstrainer. Er hat sich Ende ‘97 von Stefan getrennt und hat mir für die Saison ‘99 seine Dienste angeboten. Ich dachte mir, wenn mir einer helfen kann den Stefan zu schlagen, dann sein Ex-Trainer. Auf dem Rückweg von Jan schaute ich dann bei Willy vorbei und wir einigten uns schnell auf eine Zusammenarbeit. Er forderte von mir, nach Neeroeteren zu ziehen, was brisanterweise der Geburtsort von Stefan ist. In derselben Nacht haben wir noch mit der Taschenlampe ein leer stehendes Haus besichtigt, welches ich dann Tags darauf wieder in Deutschland übers Telefon angemietet habe. Das war schon eine harte Geschichte, mich im Ort von Stefan auf die WM vorzubereiten, mit dem Wissen, dass Stefan der Hauptgegner sein würde. Ich wollte mich überhaupt nicht mit Stefan anlegen, aber wir hatten halt beide ein Problem, wir wollten beide auf die oberste Stufe des Podiums und ganz oben ist bekanntlich ja nur Platz für einen. Jeden morgen, wenn ich zu meinem Auto kam, gab es eine neue Überraschung. Entweder waren die Scheibenwischer ausgerissen, der Lack zerkratzt oder die Windschutzscheibe mit Sch..... eingeschmiert. Gemeinsam mit Willy hab ich ab dem 5. November sechs Tage die Woche auf mein großes Ziel hingearbeitet und im Rückblick sollte dies auch meine erfolgreichste Saison bleiben. Ich hatte ein paar Monate lang die WM-Führung und ausgerechnet beim Deutschen WM-Lauf in Gaildorf sollte alles wieder den Bach runter gehen.
Stefan verletzte sich leider beim Frühjahrsklassiker in Beucaire schwer und konnte die ersten WM-Läufe nicht fahren. Bervoets aus dem eigenen Team wurde zum Hauptgegner und wir nahmen uns gegenseitig die Punkte weg. Als ich Bervoets ein wenig in die Knie gezwungen hatte, wurde Bolley immer stärker. Ich reiste mit einem großen Punktevorsprung zum vorletzten WM-Lauf nach Gaildorf. Nach der Pole-Position von Samstag schienen wir voll auf WM-Kurs zu stehen.
Ein Sturz am Start zum ersten Lauf läutete dann die Niederlage ein. Die Hinterradbremse wurde dabei zerstört und aus 14 Punkten Vorsprung wurden 6 Punkte Rückstand. Im 2. Lauf startete ich als 5. und wollte mir dringend Punkte zurückholen. Ich überholte Hughes, Bolley und Everts, als sich plötzlich ein Teil meiner Vordergabel löste und im Lenkkopf einklemmte. Ich sprang neben die Strecke und konnte knapp einen schweren Sturz abfangen. Mit angeschlagenem Bike wurde ich 6. und hab erneut wichtige Punkte auf Bolley verloren. Bolley brauchte beim Final in Budds Creek nur noch zwei ordentliche Ergebnisse, um Weltmeister zu werden.
Ich wurde Vizeweltmeister und war dennoch enttäuscht, dass es nicht gereicht hat.
2000 wurde ich erneut WM-Dritter und USA-Rückkehrer Pichon wurde Weltmeister.
2001 lies ich mich von einem finanziellen Angebot aus Italien blenden und muß im Nachhinein zugeben, dass es ein Riesenfehler war, damals Jan de Groot zu verlassen.
Danach kamen zwei Jahre Abenteuer pur. Vertraglich hatte ich ein Yamaha Werksbike zugesichert bekommen und eine unglaubliche Vertragssumme oben drauf. Übrig blieb dann eine Standard Yamaha mit Öhlins Fahrwerken und die Bezahlung wurde hauptsächlich mit ungedeckten Schecks abgewickelt. Am Ende der Saison hat das Team dann ohne mein Wissen zu Honda gewechselt, was vom sportlichen her für mich ein Glücksfall war. Es waren zwar wieder reine Standard Bikes, aber die Standard Honda hat mir gut gepasst und am Ende sprang ein dritter Rang in der Weltmeisterschaft heraus. Als Gastfahrer beim Team Sarholz konnte ich die DMX gewinnen. Wehrmutstropfen der Saison war, dass vor mir ein Fahrer Vizeweltmeister wurde, der positiv auf Doping getestet wurde und dennoch mit einer kleinen Geldstrafe davon kam.
Zwei Jahre Abenteuer waren genug und ich hab Kurt Nicoll und Heinz Kinigadner gebeten, mich endlich ins KTM Werksteam aufzunehmen. Wir haben all die Jahre eine Zusammenarbeit angestrebt, mein Ziel war es aber, 250er Weltmeister zu werden und KTM stieg erst 2002 offiziell in die 250er WM ein. Ende 2000 hatten wir schon engen Kontakt, aber Heinz meinte wir müssten warten, bis eine konkurrenzfähige 250er fertig sei. Ende 2002 war es endlich soweit und für mich ging ein Traum in Erfüllung; als deutschsprachiger Fahrer für ein deutschsprachiges Werk an den Start zu gehen. Mein Glück sollte allerdings nicht lange währen. Schon beim 2. WM-Lauf in Valkenswaard hat es mich an 2. Stelle liegend ziemlich heftig überschlagen und ich hab mir ein Band im Daumen gerissen. Dr. Werber, den ich weiter oben im Text schon erwähnt hatte, musste meinen Daumen mit einem Nagel und einer kleinen Schraube wieder auf Vordermann bringen. Als ich mich von der Verletzung wieder ein wenig erholt hatte, kam der WM-Lauf von Montevarchi. Es war die Wachablösung der 250er Bikes durch die starken 4-Takter. Stefan Everts gewann das Rennen vor Smets und Federici. Pichon wurde als erste 2-Takter 4. und ich klebte als 5. an seinem Hinterrad. Mir war damals klar, wenn ich mit der Werks-Suzuki von Pichon mitziehen kann, haben wir ein super Packet beisammen, die nächste 2-Takter war meilenweit hinter uns. Dennoch war auf harten, rutschigen Strecken wie in Montevarchi nix zu machen gegen die 4-Takter.
Eine Woche darauf folgte das letzte Rennen meiner Karriere.
08. Juni 2003 Sevlievo Bulgarien
Ich gewann den Start und führte das Feld in die erste Runde!!! Es war erneut sehr rutschig und die 4-Takter Bikes setzten mich gewaltig unter Druck. Mein Ehrgeiz, der mich bis zu diesem Tag so weit gebracht hatte, sollte mich fast umbringen.
Ich konnte einfach nicht akzeptieren, dass es an diesem Tag schnellere Fahrer gab als mich. Ich hab zu viel Druck gemacht und dabei schlichen sich schon ein oder zwei kleine Fahrfehler ein.
Vor dem großen Start-Ziel-Table bin ich zu weit nach Außen gekommen und ich musste eine andere Spur für den Absprung nehmen als die geplante. In dieser war dann ein böses Loch, welches mich im hohen Bogen über den Lenker katapultiert hat. Nach 30 Metern schlug ich Kopf voraus ein und im selben Augeblick durchfuhr ein Blitz meinen Körper.
Für mich war genau in dieser Sekunde klar, dass ich Querschnittsgelähmt bin. Ich spürte auch gleich, dass meine Lunge schwer verletzt war und es begann ein tagelanger Kampf mit dem Tod. Als ich dann ein paar Tage später in Murnau wieder zu mir gekommen bin, war komischerweise die Lähmung gar nicht so schlimm für mich zu verkraften. Die Freude, noch zu leben war viel größer. Ich hatte eine sechs Monate alte Tochter und meine Frau Ilona, ich wusste, dass Sie mich brauchen. Zu gebrauchen war ich natürlich erst mal nicht, da sich außer meiner Hände im Liegen ja nicht wirklich viel bewegt hat.
Es folgten drei Monate harte Physiotherapie und eine totale Neuausrichtung meines Lebens.
Zum Zeitpunkt des Unfalls haben wir ja in Monaco gelebt, und dass dieser Ort nicht wirklich Rollstuhlgerecht ist war uns schnell klar. Ilona hat in der Zeit meines Krankenhausaufenthaltes schon alle Weichen für unsere Zukunft gestellt und ein schönes Haus in Simbach für uns Rollstuhlgerecht eingerichtet. Heinz Kinigadner hat uns die Botschaft von KTM überbracht, dass dort für mich ein Arbeitsplatz eingerichtet wird. Als ich Ende September das Krankenhaus verließ, konnte es also losgehen mit dem neuen Leben. Neben meiner Familie war Heinz sicherlich die wichtigste Person, um mein neues Leben wieder in den Griff zu bekommen.
März 2004 Hochzeit mit Ilona in Gmunden
2004 Mitarbeiter in der Sportabteilung bei KTM
2005 Sportmanager neben Motorsportchef Kurt Nicoll und Sportdirektor Heinz Kinigadner
Als im Sommer 2006 Kurt Nicoll zu KTM North America wechselte, übernahm ich die Leitung der Offroad Sportabteilung bei KTM. Ironie des Schicksals sollte wohl sein, dass ich im Sommer 2006 nach Belgien gereist bin, um den 10-fachen Weltmeister Stefan Everts für unser Team als Moto-Cross Director zu engagieren. Es ist nach wie vor mein Anspruch mit den besten Leuten zusammenzuarbeiten und nichts dem Zufall zu überlassen.
